Die Nanny und der römische Millionär

Die Nanny und der römische Millionär

von: Margaret Mayo

CORA Verlag, 2010

ISBN: 9783942031936 , 144 Seiten

Format: ePUB

Kopierschutz: DRM

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Preis: 2,49 EUR

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Die Nanny und der römische Millionär


 

1. KAPITEL

Schon beim ersten Blick in Santo De Lucas Augen wusste Penny, dass sie ein Problem hatte. Samtig dunkelbraun waren diese Augen, umrahmt von langen seidigen Wimpern, und er sah sie damit so durchdringend an, dass er tief in ihre Seele zu schauen schien, wie um ihr wahres Ich zu erkunden, bevor sie auch nur ein einziges Wort gesagt hatte.

Weder konnte sie die heiße Welle sinnlicher Empfindungen ausblenden, die ihr durch alle Glieder strömte, noch den unbestimmten Eindruck von Gefahr, oder eher eine instinktive Ahnung. Dieser Mann war zum Fürchten sexy.

„Miss Keeling?“

Oh nein, auch seine Stimme klang erotisch. Gab es denn gar nichts an ihm, das nicht sofort all ihre Alarmglocken schrillen ließ und ihre tiefsten Gefühle aufwühlte? Gefühle, die sie schon sehr lange ganz fest unter Verschluss hielt.

Penny nickte, überzeugt davon, keinen Ton herausbringen zu können, wenn sie den Mund aufmachte. Noch nie in ihrem Leben hatte ein Mann bei ihr auf den ersten Blick eine solch prickelnde Erregung ausgelöst. Erst recht nicht, wenn es sich dabei um einen neuen Arbeitgeber handelte. Es war einfach verrückt.

„Hat es Ihnen die Sprache verschlagen?“, fragte er etwas schroff. Ein Anflug von Gereiztheit lag nun in dem erotischen Timbre, und er hatte die schön geschwungenen Brauen zusammengezogen.

Allerdings erzielte seine Frage die gewünschte Wirkung. Sofort rief Penny sich zur Ordnung. „Ja, ich bin Miss Keeling.“ Sie straffte die Schultern und reckte sich in die Höhe, doch trotz ihrer Größe von 1,75 Meter war sie deutlich kleiner als er.

„Betrachten Sie Ihre Arbeitgeber immer, als kämen sie von einem anderen Stern?“

Penny war nicht sicher, ob er das scherzhaft meinte. Vorsichtshalber entgegnete sie in ernstem Ton: „Eigentlich nicht, Mr. De Luca.“

„Also bin ich eine Ausnahme. Gibt es dafür einen Grund?“

Er sah nicht nur umwerfend gut aus, sondern hatte auch diesen äußerst attraktiven italienischen Akzent, der bei ihr ein wohliges Prickeln erzeugte. Für einen kurzen Moment überlegte sie, ob es klug wäre, für einen Mann zu arbeiten, der sie derart aus der Fassung brachte, noch bevor sie ihn überhaupt kennengelernt hatte. Vielleicht wäre es besser, einfach davonzulaufen.

„Ich … Sie sind anders, als ich erwartet hatte.“

„Ich verstehe“, antwortete er. „Ich bin nicht der übliche Nullachtfünfzehn-Vater, meinen Sie das?“

Penny holte tief Luft. „Nun, üblicherweise wird das Kindermädchen von der Mutter des Kindes ausgesucht. Die Frauen wollen dann ihren Beruf wiederaufnehmen oder sich anderweitig engagieren.“

„Hat Ihnen die Agentur nicht mitgeteilt, dass es keine Mrs. De Luca gibt?“

„Nein“, antwortete sie und war selbst überrascht. Normalerweise wäre sie über die Familie informiert worden, und man hätte sie erst zu einem Vorstellungsgespräch gebeten, um sicherzugehen, dass sie sich für den Job eignete. Doch in diesem Fall war ganz dringend eine Nanny benötigt worden.

„Sie sind mir sehr empfohlen worden“, sagte er und hob dabei eine Augenbraue, wodurch Penny bewusst wurde, wie unprofessionell sie sich gerade verhielt. Sie benahm sich völlig anders als sonst, und nur, weil er so unglaublich gut aussah.

„Allerdings beginne ich langsam zu zweifeln, ob Sie der Aufgabe gewachsen sind“, ergänzte er trocken. „Wie dem auch sei, ich werde zu einer sehr wichtigen Besprechung erwartet und bin schon spät dran. Kommen Sie mit in die Küche; ich stelle Sie meiner Haushälterin vor. Alles Weitere werden wir heute Abend besprechen.“

Der Aufgabe nicht gewachsen! Penny war zutiefst getroffen. „Mr. De Luca, ich kann Ihnen versichern, dass ich der Aufgabe mehr als gewachsen bin“, verkündete sie erhobenen Hauptes. Dabei sah sie ihm direkt in die Augen und hielt ihm einen Umschlag unter die Nase. „Hier sind meine Referenzen. Sie werden sehen, dass …“

„Die brauche ich nicht!“, gab er barsch zurück. „Ich bilde mir lieber mein eigenes Urteil.“

Und das fällt im Augenblick bestimmt vernichtend aus, dachte Penny. Sie konnte es ihm nicht übel nehmen, denn sie verhielt sich gerade nicht wie eine erfahrene Nanny, sondern wie eine dumme Gans, weil sein Sexappeal sie so verwirrte.

Dem Termin mit ihm in seinem Haus so früh am Morgen hatte sie mit ziemlichem Lampenfieber entgegengesehen. In der Stellenvermittlung hatte man betont, wie wichtig ein guter Eindruck sei. Mr. De Luca gehöre die berühmte, weltweit agierende Werbeagentur De Luca. Wenn er mit Penny zufrieden sei, würde er vermutlich öfter mit ihnen zusammenarbeiten.

Santo De Luca bewohnte eine riesige Villa inmitten eines stattlichen Anwesens am Stadtrand von London. Die ausgedehnte Parklandschaft, durch die Penny gefahren war, nachdem das elektrische Tor sich geöffnet hatte, fand sie bereits mehr als beeindruckend. Als sie schließlich das dreistöckige Gebäude mit den unzähligen Fenstern allein schon an der Frontseite sah, war sie vollkommen sprachlos. Wie viele Räume mochte es haben?

„Wenn ich richtig unterrichtet bin, hat Ihr letztes Kindermädchen Sie ganz unerwartet verlassen?“, fragte sie, während sie ihm durch scheinbar endlose Korridore hinterhereilte. Bei seinen langen Beinen lief sie Gefahr, zurückzubleiben.

Sein anthrazitfarbener Anzug und das weiße Hemd, das er dazu trug, kamen offenkundig maßgefertigt von einem renommierten Herrenschneider aus der Londoner Savile Row, doch die Kleidung konnte den athletischen Körper darunter nicht verbergen. Der Mann trainierte seinen Körper, und das überraschte sie nicht, denn um seinen langen Arbeitstag durchzustehen, musste er ausgesprochen fit sein. Man hatte ihr gesagt, dass er jeden Morgen um sieben Uhr das Haus verließ und erst spätabends wieder zurückkehrte, was sie vermuten ließ, dass er seine Tochter kaum zu Gesicht bekam.

„Das ist richtig. Und wenn Sie Bedenken haben, ob dieser Job Ihnen liegt, dann wäre ich Ihnen dankbar, wenn Sie mir das jetzt sofort mitteilten.“

Er blieb so abrupt stehen, dass Penny mit ihm zusammenstieß und verblüfft registrierte, dass sie von seinen starken Armen gehalten wurde und seine hypnotisierenden dunklen Augen direkt in ihre schauten. Ihre Nase nahm einen so unwiderstehlichen Herrenduft wahr, wie sie ihn noch nie gerochen hatte: kräftig, wie der Mann, der ihn trug, aber nicht aufdringlich, ein subtil verlockendes Aroma. Für einige Sekunden stockte ihr der Atem, und sie versank in seinem magischen Blick, bis sie merkte, was sie da tat, und einen Schritt zurückwich.

„Natürlich werde ich die Aufgabe nach besten Kräften erfüllen. Ich arbeite gewissenhaft, Ihre Tochter wird bei mir in guten Händen sein und … wo ist sie überhaupt? Meinen Sie nicht, wir sollten …?“

„Chloe schläft noch“, entgegnete er scharf. „Ich habe keine Notwendigkeit gesehen, sie zu wecken. Ich halte nicht den üblichen Achtstundentag ein, doch Chloe braucht Regelmäßigkeit, wie Sie sicher verstehen. Emily, meine Haushälterin, wird Sie herumführen. Danach werden Sie sich bitte um Chloe kümmern und sie zur Schule bringen. Sie hatten kein Gepäck bei sich, als Sie ankamen. Ihnen ist doch bekannt, dass Sie hier wohnen werden?“

„Ich musste mich heute Morgen beeilen, um so früh hier zu sein“, erklärte sie und hoffte, überzeugend zu klingen. „Ich hatte vor, meine Sachen zu packen, wenn Ihre Tochter in der Schule ist.“ Der Agentur zufolge war das vorherige Kindermädchen gestern gegangen. Warum er daraufhin nicht einen Tag frei genommen und in Ruhe nach einer neuen Betreuung gesucht hatte, verstand Penny zwar nicht, doch umso besser für sie selbst. Und das gebotene Gehalt war bei Weitem das fürstlichste, das sie je erhalten hatte.

Er murmelte etwas in seiner Muttersprache und setzte seinen Gang zur Küche im gleichen Tempo fort wie zuvor.

Emily, die Haushälterin, war eine kleine rundliche Person, vermutlich Mitte fünfzig. Sie hatte kurzes graues Haar, rosige Wangen, und so, wie sie Mr. De Luca anschaute, musste sie ihn wohl grenzenlos verehren.

Erst nachdem Santo De Luca gegangen war, wurde Penny bewusst, wie sehr seine Gegenwart den großen Raum beherrscht hatte. Nun erst konnte sie wieder frei atmen.

Emily bemerkte, wie sie sich entspannte, und lächelte ihr freundlich zu. „Willkommen im Hause De Luca. Mr. De Luca ist ein wunderbarer Chef. Ich hoffe, es wird Ihnen hier gefallen.“

Warum heißt mich die Haushälterin herzlicher willkommen als der mächtige Herr des Hauses?, wunderte sich Penny. „Ist er immer so schroff?“, fragte sie. „Ich habe den Eindruck, er bezweifelt, dass ich meine Arbeit gut machen werde!“

„Das liegt daran, dass bisher keine Nanny hier länger als ein paar Wochen durchgehalten hat.“

Penny runzelte die Stirn. „Ist Chloe ein schwieriges Kind? Oder ist Mr. De Luca das Problem?“ Für sie selbst stellte er in der Tat ein Problem dar. Er war viel zu sexy, um sie nicht aus der Ruhe zu bringen. Nie zuvor war sie einem Mann begegnet, der so unvermittelt ihre Sinne aufgewühlt hatte. Nicht einmal bei Max, von dem sie geglaubt hatte, er sei der Richtige, war es so gewesen.

Bedächtig zuckte Emily die Achseln. „Mr. De Luca ist ein sehr fairer Chef. Ich sollte es wissen, denn ich arbeite schon viele Jahre für ihn. Es ist die Arbeitszeit, die den jungen Frauen nicht gefällt. Fast alle diese Kindermädchen waren noch sehr jung und hatten einen Freund. Sie wollten nicht rund um die Uhr zur Verfügung stehen. Das ist verständlich.“

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