Arne Nordmann und Die Herren der Burg

Arne Nordmann und Die Herren der Burg

von: frank von frei

frank von frei, 2011

ISBN: 9783942660549 , 315 Seiten

Format: PDF, ePUB

Kopierschutz: DRM

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Preis: 9,98 EUR

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Arne Nordmann und Die Herren der Burg


 

„Allmächtiger! O blicke huldreich nieder!
Der Tugend Werk zu fördern sind wir hier,
des Baues Grundstein legten treue Brüder,
der Segen aber kommt allein von Dir.“

Mächtig hallen die Worte durch den Blauen Tempel. Unaufhaltsam durchdringen die Worte Raum und Zeit der ewigen Loge. Der ewigen Loge Zu den Gekrönten im Orient Hamburg. Die Worte wandern von Nord nach Süd, von West nach Ost, vom Mittelpunkt der Erde bis zum Himmel. Die Worte ergreifen die Seelen und die Herzen aller hier zu höherer Arbeit Versammelten, aller hier die Königliche Kunst Praktizierenden und aller hier in der Kette der Herzen Verbundenen. Worte, die soviel mehr als Worte. Worte, die Welt erbauen und den Menschen erschaffen. Worte, die am Anfang und am Ende stehen. Worte, die alles bedeuten und alles erklären.

Arne Nordmann steht im Halszeichen der Freimaurer südöstlich vom Altar neben dem Meister vom Stuhl, der die mächtigen Worte mit kräftiger Stimme in den Blauen Tempel verkündet. Verkündet, denn gerade eben eröffnet der Meister vom Stuhl mit dem uralten Gebet die Lehrlingsloge und bittet den Großen Baumeister um Unterstützung am Bau. Am Bau, der ewig dauert. Am Bau, der nie endet. Am Bau der Freimaurerei.

Bruder Arne Nordmann, der das Gebet der Freimaurer in und auswendig, wachend und schlafend, bis in dessen tiefst gehende Bedeutung atmet, vernimmt die Worte des Meisters wie aus weiter nebliger Ferne. Wie aus weiter nebliger Ferne dringen die Worte des uralten Gebetes an sein Ohr und schlüpfen wie der schwache Hauch eines noch unvollkommenen Frühlings nach einem langen, harten Winter in sein Inneres.

Gerade steht er im Zeichen. Beinahe exakt. Aber nur beinahe. Denn sein glattrasiertes Kinn bildet zu seinem muskulösen Hals eine, die neunzig Grad des Rechten Winkels überschreitende, Ausnahme. Jenes Rechten Winkels, der so grundlegend für die Freimaurerei und so bindend für jeden Freimaurer, der jenes Maß an all sein Denken und an all sein Handeln legt. Doch haargenau in diesen Augenblicken überstreckt Arne Nordmann das Maß aller Dinge um mehrere Grad.

Überstreckt richtet er es gegen den blauen Sternenhimmel an der Decke des Blauen Tempels genau wie seine aufwärtsschauenden, nachdenklichen Augen das Maß brechen.

Nicht aus Stolz. Und nicht aus Überheblichkeit. Nein. Immer und immer wieder schweifen Arne Nordmanns Gedanken zu den Geschehnissen der letzten Tage ab.

Wie aus einer Nebelwand hört er Peter von Stakeritz, den Meister vom Stuhl, der das Gebet zu Ende spricht:

„Erwecke heil’gen Eifer in uns allen,
lass frei von Torheit und von eitlem Schein
der Brüder Werk in diesen stillen Hallen
und segensvoll lass es der Menschheit sein!
Großer Baumeister der Welt! Ewiger Vater der Menschheit!
Wie die Pflanze zum Licht aufstrebt,
so wendet sich unsere Seele zu Dir.
Erleuchte unseren Geist mit Deinem Lichte,
erwärme unser Herz mit Deiner Liebe,
segne unsere Arbeiten, damit diese Bauhütte ein Tempel werde
zu Deiner Verehrung, eine Heimat brüderlicher Gesinnung,
eine Schule edler Menschlichkeit und eine sichere Stätte für die,
welche die Wahrheit suchen.
Es geschehe also!
Wir vollenden das Zeichen!
Die Loge ist geöffnet. Jeder sei seiner Pflicht eingedenk
und gesegnet sei diese Stunde!
Auf mich, meine Brüder.“

Zu spät. Viel zu spät reagiert Arne auf das Kommando. Die Brüder erwidern bereits das letzte Drei Mal Drei auf den Meister vom Stuhl. Rhythmisch schlagen deren Hände den dreimaligen Takt.

Gedankenverloren senkt Arne die Arme. Er verpasste das Drei Mal Drei. Ein betretenes Gefühl breitet sich in ihm aus.